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Die Münze nennt als Emittenten Heliokles, der nur von seinen Münzen bekannt ist. Bei den Münzen handelt es sich um Tetradrachmen und Drachmen auf dem attischen Standard mit griechischer Legende auf Vor- und Rückseite, so dass sein Herrschaftsgebiet in Baktrien, nördlich des Hindukish, gewesen sein muss. Der Name Heliokles bezieht sich auf den Sonnengott. Er steht damit in der Linie der Seleukiden, die auf ihren Münzen den Stammvater Apollo dargestellt haben. Mit dem Rückseitenbild Zeus knüpft Heliokles an die Emissionen von Diodotos und Agathokles an. Mit Agathokles verbindet ihn auch sein Beiname ΔIKAIOY (des Gerechten). Heliokles könnte ein Bruder oder - vermutlich eher - ein Sohn des Eukratides I gewesen sein. Eukratides I hat auf seinen Münze mit dem Bild der Dioskuren ebenfalls auf Zeus, deren mythischer Vater, hingewiesen. Der um 140-115 v. Chr. datierte Trésor monétaire de Qunduz (R. Curiel/G.Fussmann, Paris 1965)enthielt 204 Tetradrachmen und 17 Drachmen des Heliokles. Seine Münzen sind von den Yuezhi-Nomaden und Jahrzehnte später noch unter dem Kushan-Herrscher Kadphises (30/50-80 n.Chr.) imitiert worden. Demnach hat Heliokles in der Spätzeit der griechischen Herrschaft in Baktrien, vielleicht im Norden des Hindukush sogar als letzter griechischer Herrscher regiert. Seine Münzen tragen 26 verschiedene Monogramme, die überwiegend, wie auf dieser Münze, der Monogramm-Familie Pi angehören. Aber ein Schluß kann bisher aus den Monogrammen weder auf die Münzstätte, noch auf Emissionen oder Magistrate gezogen werden. Um 145 v. Chr. fiel Ai Khanoum in die Hände der von Norden vordringenden Skythen und Yuezhi, so daß die Münzen des Heliokles nicht mehr in Bactra, sondern auf dem allmählichen Rückzug der Griechen in den Süden Baktriens geprägt sein könnten.
Baktrien
Gewichtstandard, Nominalsystem,Chronologie
Die baktrische Münzprägung fasziniert wegen der globalen Begegnung der Kulturen. Diese findet ihren Ausdruck besonders in den unterschiedlichen Gewichts- und Nominalsystemen. Man unterscheidet zwischen der griechisch-baktrischen und der indo-griechischen Münzprägung.
Das griechisch-baktrische Währungssystem folgte dem attisch-seleukidischen Standard und hatte Legenden in griechischer Schrift. Die Münzen liefen im Oxus-Tal und in Sogdiane, also nördlich des Hindukusch um. Es gab als Nominale die Tetradrachme à 16,80 g, die Drachme, die Hemidrachme und das Obol. Dazu kamen Bronzemünzen, die als Chalkous, Dikalchon und Tetrachalkon angesehen werden können. Höhepunkte der griechisch-baktrischen Münzprägung waren der 20-fache-Goldstater des Eukratides (170-145 v. Chr.) und die Doppel-Dekadrachme attischen Standards des Amyntas (95-90 v. Chr.).
Die indo-griechischen Münzen folgten dagegen dem indischen Gewichtsstandard, hatten eine zwei-sprachige Legende (griechisch auf der Vs. und kharoshti oder brahmi auf der Rs.) und liefen im Süden des Hindukush um. Die Tetradrachme wog 9,80 g, die Drachme 2,45 g und die Hemidrachme 1,22 g. Die Bronzemünzen folgten lokalen Gewichtssystemen und hatten einen rechteckigen Schrötling. Bronzemünzen wurden zuerst unter Agathokles (190-180 v. Chr.) mit Bildern hinduistischer Götter in Taxila geprägt. Nur wenig später wurden auch zweisprachige, rechteckige Drachmen und schließlich ab Eukratides (170-145 v. Chr.) auch zweisprachige Tetradrachmen indischen Gewichts ausgegeben.
Die antiken literarischen Quellen sind, was die Münzpgrägung in Baktrien betrifft, weder zahlreich noch ergiebig. Aus den Funden ist zu entnehmen, daß schon in archaischer Zeit griechische Münzen nach Baktrien kamen. In dem Shaikhan Dehri Hoard 2007 von Pushkalvati, heutiges Pakistan, befand sich eine Tetradrachme von Athen aus der Zeit von 500/490-485/0 v. Chr.( Triton XV(2012)1163). In jedem Fall bilden die Münzen die wichtigsten Zeugnisse aus der mit Alexander dem Großen beginnenden, dreihundertjährigen Geschichte der Griechen in Baktrien. Aus ihnen läßt sich der Machtübergang von den Seleukiden und die Folge der ersten baktrischen Herrscher - Diodotos I und II, Antiochos (?), Euthydemos - ablesen. Die Münzkunst erreichte in der ersten Hälfte des 2. Jh. eine im Hellenismus unvergleichliche Qualität mit lebensvollen Porträts der Herrscher Euthydemos, Demetrios, Agathokles, Antimachos und Eukratides und - in drei bedeutenden Serien - auch deren Vorgänger.
Die Verdrängung der Griechen durch die von Norden eindringenden Nomaden, die Eroberung großer Teile Indiens unter Menander (150-130 v. Chr.) und schließlich die Auflösung des griechisch-baktrischen und griechisch-indischen Reichs spiegeln sich in den Münzen wider. Die Auswirkungen der griechischen Münzprägung auf das Kushan-Reich läßt sich dem riesigen Fund von Mir Zakh, insbesondere dem hohen Anteil posthumer Prägungen, entnehmen: mit rd. 550.000 Münzen der größte Münzfund der Antike.
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