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Die auf dem ptolemaischen Standard geprägte Dekadrachme wurde von Ptolemaios II. in Erinnerung an seine um 270 v. Chr. verstorbene Schwester und Gattin Arsinoe ausgegeben. Zwei Jahre zuvor hatte das Herrscherpaar den Titel Theoi Adelphoi ("göttliche Geschwister") angenommen. Nach Arsinoes Tod stiftete Ptolemaios II. den Kult der Thea Philadelphos (der den "Bruder liebenden Göttin"). Aus diesem Anlass wurde die Dekadrachme ausgegeben. Etwa 10 Jahre später, um 261 v. Chr., wurde die Prägung durch die Emission von Gold-Oktodrachmen ergänzt. Die Dekadrachmen sind durch die Buchstaben A-Ω (= 1-24), die Buchstaben AA-ΩΩ (= 25-48) oder die kursiv geschriebenen Buchstaben A-B gekennzeichnet. Es handelt sich nicht um die Angabe der Jahre seit dem Tod der Arsinoe, sondern um die Kennzeichnung der Münzserien. Mit den Buchstaben EE gehört diese Münze zu der Serie 29 - und damit zu einer Phase intensiver Prägetätigkeit am Ende des 2. Syrischen Kriegs. Wie sich aus stilistischen Untersuchungen, aus dem Vergleich mit datierten in Palestina ausgegebenen Münzen, aus dem in das Jahr 258 v. Chr. datierten Zenon Papyrus sowie aus dem Alexandria- und dem Meydancikkale-Fund ergibt, betrug die Prägedauer rund 25 Jahre, d.h. bis kurz nach dem Regierungsantritt von Ptolemaios III. Euergetes. Aus dem kultischen Bezug erklären sich die verschiedenen mit dem Porträt verbundenen Symbole, die die Göttlichkeit der Arsinoe der griechischen und ägyptischen Bevölkerung vermitteln sollten (C.C. Lorber a.a.O S. 122-128; H. Troxell a.a.O S. 35-70; vgl. auch Marmorporträt der Arsinoe, Akademisches Kunstmuseum Inv. B 284 und dazu K.Kyrieleis, in: Antiken aus dem Akademischen Kunstmuseum, Düsseldorf 1971, S. 18-20). Zu den unter Ptolemaios III. ausgegebenen überdurchschnittlich schweren Silberprägungen gehören auch die Dodeka- und Dekadrachmen mit dem Porträt von Berenike II. - dazu die Stempelstudie von T. Sewell-Lasater, A Die Study of the Gold and Silver Coinage of Berenike II with Numismatic and Historical Commentary, RN 177 (2020) 59-116.
Ptolemaier
Gewichtstandard, Nominalsystem, Chronolgie
Ptolemaios I (323-283 v. Chr.) hat das Währungssystem von Alexander III zunächst übernommen, dann aber schrittweise reformiert: Reduzierung des Gewichts der Tetradrachme zuerst ab 310 v. Chr. von 17,2 g auf 15,7 g, schließlich ab 300 oder - nach einer neueren Auffassung - ab 294 v.Chr. auf 14,25 g. Die Drachme, die allerdings nur in geringem Umfang geprägt wurde, hatte ein Gewicht von 3,56 g. An die Stelle des Gold-Distaters von Alexander III trat eine Goldmünze im Gewicht von 17,80 g (= 5 mal 3,56 g). Für das tägliche Geschäft und den ägyptischen Binnenmarkt wurden Bronzemünzen in 5 Nominalen zu 24 g, 16 g, 8 g, 4 g und 2 g ausgegeben. Die Wertverhältnisse waren festgelegt: 1 Gold-Pentadrachme = 15 Tetradrachmen = 60 Drachmen = 360 Bronze-Obole = 720 Tetrachalkoi.
Unter Ptolemaios II (285-246 v. Chr.) wurde um 281 v. Chr. das Währungssystem weiter entwickelt: es wurden Gold-Oktodrachmen à 28,5 g mit der Bezeichnung"Mnaeion" oder Mine, d.h. im Wert von 100 Silber-Drachmen, ausgegeben. Neben die weiter geprägten Tetradrachmen traten Silber-Dekadrachmen à 35,5 g, später auch Doppel-Dekadrachmen. Vor allem wurde das Bronzegeld revolutioniert. Mit einer neuen Prägetechnik wurden Stücke im Gewicht von rd. 96 g, 72 g, 48 g, 36 g, 24 g und weitere Unternominale hergestellt. Heute ist strittig, ob sie zu einem einheitlichen oder - was wahrscheinlicher ist - zu historisch getrennten Nominalsystemen gehören und ob das 72 g schwere Stück als 4-Obol-Stück oder - was neuerdings überzeugend dargelegt worden ist - als Drachme zu verstehen ist.
Im weiteren Verlauf des 3. Jh. v. Chr. entwickelten sich im ptolemaischen Reich zwei getrennte Währungsgebiete: der Binnenmarkt mit dem Bronzegeld und der Außenhandel (einschl. Bezahlung der Söldner) mit dem Silber- und Goldgeld. Ende des 3. Jh. v. Chr. wurde das Rechnungswesen für das Bronzegeld auf das Dezimalsystem umgestellt und den Bronzemünzen neue Werteinheiten ( 1 Bronze-Obol = 10 Bronze-Einheiten) zugewiesen. Im Zuge dieser Reform wurde die für das Silbergeld übliche Bezeichnung "Drachme" auf die kleinste Bronze-Einheit übernommen. Da zudem die Rechnungswerte - wie in der althistorischen Literatur vielfach angenommen wird - schrittweise von 60 über 240, schließlich auf 480 erhöht wurden, ergeben sich trotz vieler Informationen aus den überlieferten Papyri erhebliche Schwierigkeiten, die Reformen des 3. und 2. Jh. v. Chr. zu verstehen. Dies gilt insbesondere für die Frage, ob die Erhöhung der Rechnungswerte für Bronze (sog. Bronzestandard) als erste Inflation in der Währungsgeschichte zu interpretieren ist, was aber aus numismatischer Sicht neuerdings abgelehnt wird. Da die Preise in Silber stabil blieben, müßte eine partielle, allein den Binnenmarkt treffende Inflation angenommen werden, was den letzten ptolemäishcen Bronzeserien aber nicht zu entnehmen ist. Besondere Bedeutung kommt daher den unter Kleopatra VII (51-30 v. Chr.) ausgegebenen Bronzemünzen zu, die erstmals Wertzeichen tragen: M (40) und Π (80).
Ptolemaios I hatte für das Silbergeld ab 319 v. Chr. mit dem Kopf Alexanders in der Elefantenhaube ein neues Bild für die Vs. und ab 312 v. Chr. mit der Athena Alkidemos ein neues Bild für die Rs. der Tetradrachmen eingeführt. Nach der Annahme des Königstitels im Jahr 305 v. Chr.) setzte er ab 300 oder - nach einer neueren Auffassung - ab 294 v. Chr. sein eigenes Porträt auf die Gold- und Silbermünzen. Dieses Portät wurde - von meist ausserhalb Aegyptens ausgegebenen Sonderprägungen für einzelne Herrscher und ihre Gattinnen abgesehen - während der ganzen ptolemäischen Herrschaft beibehalten. Der Kopf des "Zeus Ammon" und das Bild "Adler auf Blitz" finden sich auf der jeweils schwersten Bronzemünze innerhalb der verschiedenen vom 3.bis zum 1. Jh. v. Chr. ausgegebenen 9 Serien von Bronzemünzen; diese Münzbilder wurden trotz der Währungsreformen, insbesondere auch der Reduzierung des Gewichts und dem Zusatz von Blei, beibehalten.
Literatur: J.N. Svoronos, Die Münzen der Ptolemaier, Athen 1904-08; C. Lober, Coins of the Ptolemaic Empire Part I, Ptolemy I through Ptolemy IV, New York 2018; H.-C. Noeske, Die Münzen der Ptolemäer, Frankfurt 2000; G.Le Rider/F.Callatay, Les Séleucides et les Ptolemées, Rocher 2005; R.A. Hazzard, Ptolemaic Coins, Toronto 1995; S. von Reden, Money in Ptolemaic Egypt, Cambridge 2007; C. Lorber, A revised chronology for the coinage of Ptolemaic I, NC 165(2005)45-64; C. Lorber, Dating the Portrait Coinage of Ptolemy I, AJN 24(2012)33-44; C. Lorber, Large Ptolemaic bronzes in third-century Egyptian hoards, AJN 12(2000) 67-92; Th. Faucher/C.Lorber, Bronze Coinage of Ptolemaic Egypt in the Second Century BC, AJN(2010) 35-80 (aktueller Literatur- und Fundüberblick zur Bronzeprägung); R. Pincok, Are there Denominational Indicators on Ptolemaic Bronze Coins? NC 172(2012)35-46; zu der ptolemäischen Bankpraxis, der Buchführung in Bronzgeld, der Behandlung von Gold- und Silbergeld sowie dem Wertverhältnis unter den Münzmetallen um 138 v. Chr. vgl. K.Maresch, Ptolemäische Bankpapyri aus dem Herakleopolites, Paderborn 2012; zu dem Wertverhältnis von Gold:Silber:Bronze in der Antike und zu der Rechtsnatur des griechischen und römischen Geldes vgl. G. Bransbourg, Fides et Pecunia Numerata,Part IIThe Currencies of Roman Republic, AJN 25(2013)179-242;