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Eine Tetradrachme mit demselben Monogramm befand sich in dem um 240-235 v. Chr. vergrabenen Meydancikkale-Fund (A. Davesne / G. Le Rider, Le Trésor de Meydancikkale, Paris 1989, Nr. 2861). Daher wird die Münze mit dem ausruhenden Herakles auf der Rs. an das Ende der Herrschaft von Antiochos I. datiert. Antiochos I. hatte auf seinen Münzen an sich Apollon als Stammvater und Schutzgott herausgestellt. Der Herakles-Typ ist insofern eine Ausnahme. Er wurde nur in griechischen Städten im Nordwesten Kleinasiens geprägt. Als Münzstätte dieser Tetradrachme wird wegen der Identität des Monogramms bzw. aus stilistischen Gründen Magnesia am Sipylos bzw. Smyrna angesehen. Das Münzbild "ausruhender Herakles" findet sich bereits in Abdera (J.M.F. May, The Coinage of Abdera, Plate XIX, 391-397). Die Gründe für die Wahl dieses Münzbilds durch Antiochos I. sind ungeklärt: persönliche Identifizierung mit Herakles am Ende seiner schweren Regierungszeit, Ausdruck einer Allianz kleinasiatischer Städte gegen Eumenes I von Pergamon (vgl. G.40.33) oder Resonanz auf das berühmte Kultbild des Lysippos (A. Houghton / C. Lorber, Seleucid Coins, Part I, Volume I, Lancaster/London 2002, S. 116). Das Münzbild wurde von Euthydemos I. von Baktrien, vielleicht wegen seiner literarisch überlieferten Loyalität gegenüber den Seleukiden, übernommen (vgl. G.60.01).
Seleukiden
Gewichtstandard, Nominalsystem; Chronologie
Seleukos I. (311-281 v.Chr.) behielt die Währungsordnung, die Alexander der Große eingeführt hatte, bei. Es galten somit der attische Gewichtstandard und das attische Nominalsystem: 1 Goldstater à 8,6 g = 5 Tetradrachmen à 17,2 g = 20 Drachmen à 4,3 g. Das Wertverhältnis von Gold zu Silber betrug zunächst weiterhin 1:10. Gold wurde aber im Verlauf des 3. Jh. v. Chr. kaum mehr ausgeprägt. Das Silber blieb rein, allerdings sank das Gewicht der Tetradrachme im 2. Jh. schrittweise bis auf 15,8 g, parallel zu der Entwicklung in anderen hellenistischen Staaten. Silberkleingeld wurde schon im 3. Jh. weniger geprägt. Bronzegeld trat an seine Stelle. Es wurde - von Ausnahmen abgesehen - in drei Größen- und Gewichtsstufen ausgegeben. Obwohl einige der unter Antiochos IV. (175-164 v. Chr.) ausgegebenen Münzen die Wertzeichen AX, BX und ΔX tragen, können die Bezeichungen Chalkous, Dichalchon und Tetrachalkon nur unter Vorbehalt auf alle anderen seleukidischen Bronzemünzen übertragen werden.
Der monetarisierten Wirtschaft im Westen standen die noch mit dem Hacksilber arbeitenden Satrapien im Osten gegenüber. Die Wirtschafts- und Währungsordnung der Seleukiden war daher - anders als die der Ptolemaier - dezentral, liberal und offen. Die Münzstätten lagen in den einzelnen Satrapien. So waren Hauptmünzstätten: Sardes in Kleinasien, Tarsos in Kilikien, Antiocheia in Syrien, Seleukeia am Tigris für Babylon, Susa für die Susiana, Ekbatana für Medien und Ai Khainoum für Baktrien.
Alexander-Typen (sog. Alexandreier) wurden bis in das 2. Jh. v. Chr. weiter geprägt. Daneben setzten die Stadtstaaten im Westen ihre traditionelle Münzprägung fort. Ausländische Münzen konnten frei umlaufen, sofern sie dem attischen Standard folgten; sie wurden auch von staatlichen Stellen, z.B. beim Zoll, akzeptiert. Der Anteil der eigentlichen Prägungen der seleukidischen Könige am Geldumlauf war bis in das 2. Jh. v. Chr. mit nur rund 15% des Geldumlaufs überraschend gering. Er erhöhte sich erst nach der Niederlage gegen die Römer und dem Friedensvertrag von Apameia (188 v. Chr.), als Kleinasien verloren ging und die Prägung von Alexander-Typen eingestellt wurde.
Für die Abfolge der einzelnen, unter Seleukos I. ausgegebenen Emissionen ist zunächst sein Eroberungszug von Osten nach Westen und dann vor allem die Schlacht von Ipsos (301 v. Chr.) maßgebend. Das Herrscherporträt auf der Vs. und die Schutzgottheit Apollon auf der Rs. der Münzen wurden erst unter Antiochos I. (281-261 v. Chr.) eingeführt. Daraus ergab sich eine in der hellenistischen Welt unvergleichliche Reihe von Herrscherporträts. Insgesamt gibt es Münzporträts von 34 Herrschern, denen nur 7 erhaltene rundplatische Köpfe gegenüberstehen. Im Verlauf des 2. Jh. v. Chr. kamen Herrschaftszeichen, wie die Strahlenkrone, Beinamen und Ehrentitel hinzu. Münzbilder von anderen Schutzgottheiten, wie Zeus, Athena, Nike, ergänzten den zunehmenden Herrscherkult.
Literatur: A. Houghton/C. Lorber, Seleucid Coins, Part I, 2002, Part II, 2008, New York; G. Le Rider, Antioche de Syrie sous les Séleucides, Paris 1999; E.T. Newell, The Coinage of the Eastern/Western Seleucid Mints from Seleucus I to Antiochos III, New York 1938/1941; G. Le Rider/F. de Callatay, Les Séleucides et les Ptolémées, Champillon 2006; O.D. Hoover, The Handbook of Greek Coinage Series, Vol. 9, Syrian Coins, Lancaster/London 2009; C. Feyel/L. Graslin-Thomé; Antiochos III et l'Orient, Paris 2017, P. F. Mittag, Antiochos IV Epiphanes, Berlin 2006; K. Ehling, Untersuchungen zur Geschichte der späten Seleukiden (164-63), Stuttgart, 2008; R. Fleischer, Studien zur seleukidischen Kunst, Bd. I Herrscherbildnisse, Mainz, 1992.