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Die Tetradrachme wurde in Alexandria Troas, der Hauptmünzstätte des Antiochos Hierax, geprägt. Alle dort geprägten Münzen zeigen das Bildnis von Antiochos I., nicht das von Antiochos II. oder des Antiochos Hierax selbst. Unter Antiochos Hierax wurden in Kleinasien nur Tetradrachmen, also weder Silberkleingeld noch Bronzemünzen ausgegeben. Münzfunde, wie der um 240-235 v. Chr. vergrabene Schatz von Meydancikkale, bestätigen, dass der damalige Geldumlauf noch von Tetradrachmen und Drachmen des Alexandertyps beherrscht wurde. Der Anteil des seleukdischen Königsgelds ist demgegenüber gering. Da die unter Alexander und seinen unmittelbaren Nachfolgern (d.h. vor 290 v. Chr.) geprägten Münzen aber schon Jahrzehnte im Umlauf und daher abgenutzt waren, wurden sie - nach einer Bearbeitung des Schrötlings - neu ausgeprägt. Daraus erklärt sich das geringe Gewicht vieler dieser Stücke, darunter möglicherweise auch das Gewicht dieser mit 16,09 g untergewichtigen Tetradrachme (E.T. Newell,The Coinage of the Western Seleucid Mints, New York 1977, S. 345; G. Le Rider / F. de Callatay, Les Séleucides et les Ptolémées, Paris 2006, S. 71-99).
Seleukiden
Gewichtstandard, Nominalsystem; Chronologie
Seleukos I. (311-281 v.Chr.) behielt die Währungsordnung, die Alexander der Große eingeführt hatte, bei. Es galten somit der attische Gewichtstandard und das attische Nominalsystem: 1 Goldstater à 8,6 g = 5 Tetradrachmen à 17,2 g = 20 Drachmen à 4,3 g. Das Wertverhältnis von Gold zu Silber betrug zunächst weiterhin 1:10. Gold wurde aber im Verlauf des 3. Jh. v. Chr. kaum mehr ausgeprägt. Das Silber blieb rein, allerdings sank das Gewicht der Tetradrachme im 2. Jh. schrittweise bis auf 15,8 g, parallel zu der Entwicklung in anderen hellenistischen Staaten. Silberkleingeld wurde schon im 3. Jh. weniger geprägt. Bronzegeld trat an seine Stelle. Es wurde - von Ausnahmen abgesehen - in drei Größen- und Gewichtsstufen ausgegeben. Obwohl einige der unter Antiochos IV. (175-164 v. Chr.) ausgegebenen Münzen die Wertzeichen AX, BX und ΔX tragen, können die Bezeichungen Chalkous, Dichalchon und Tetrachalkon nur unter Vorbehalt auf alle anderen seleukidischen Bronzemünzen übertragen werden.
Der monetarisierten Wirtschaft im Westen standen die noch mit dem Hacksilber arbeitenden Satrapien im Osten gegenüber. Die Wirtschafts- und Währungsordnung der Seleukiden war daher - anders als die der Ptolemaier - dezentral, liberal und offen. Die Münzstätten lagen in den einzelnen Satrapien. So waren Hauptmünzstätten: Sardes in Kleinasien, Tarsos in Kilikien, Antiocheia in Syrien, Seleukeia am Tigris für Babylon, Susa für die Susiana, Ekbatana für Medien und Ai Khainoum für Baktrien.
Alexander-Typen (sog. Alexandreier) wurden bis in das 2. Jh. v. Chr. weiter geprägt. Daneben setzten die Stadtstaaten im Westen ihre traditionelle Münzprägung fort. Ausländische Münzen konnten frei umlaufen, sofern sie dem attischen Standard folgten; sie wurden auch von staatlichen Stellen, z.B. beim Zoll, akzeptiert. Der Anteil der eigentlichen Prägungen der seleukidischen Könige am Geldumlauf war bis in das 2. Jh. v. Chr. mit nur rund 15% des Geldumlaufs überraschend gering. Er erhöhte sich erst nach der Niederlage gegen die Römer und dem Friedensvertrag von Apameia (188 v. Chr.), als Kleinasien verloren ging und die Prägung von Alexander-Typen eingestellt wurde.
Für die Abfolge der einzelnen, unter Seleukos I. ausgegebenen Emissionen ist zunächst sein Eroberungszug von Osten nach Westen und dann vor allem die Schlacht von Ipsos (301 v. Chr.) maßgebend. Das Herrscherporträt auf der Vs. und die Schutzgottheit Apollon auf der Rs. der Münzen wurden erst unter Antiochos I. (281-261 v. Chr.) eingeführt. Daraus ergab sich eine in der hellenistischen Welt unvergleichliche Reihe von Herrscherporträts. Insgesamt gibt es Münzporträts von 34 Herrschern, denen nur 7 erhaltene rundplatische Köpfe gegenüberstehen. Im Verlauf des 2. Jh. v. Chr. kamen Herrschaftszeichen, wie die Strahlenkrone, Beinamen und Ehrentitel hinzu. Münzbilder von anderen Schutzgottheiten, wie Zeus, Athena, Nike, ergänzten den zunehmenden Herrscherkult.
Literatur: A. Houghton/C. Lorber, Seleucid Coins, Part I, 2002, Part II, 2008, New York; G. Le Rider, Antioche de Syrie sous les Séleucides, Paris 1999; E.T. Newell, The Coinage of the Eastern/Western Seleucid Mints from Seleucus I to Antiochos III, New York 1938/1941; G. Le Rider/F. de Callatay, Les Séleucides et les Ptolémées, Champillon 2006; O.D. Hoover, The Handbook of Greek Coinage Series, Vol. 9, Syrian Coins, Lancaster/London 2009; C. Feyel/L. Graslin-Thomé; Antiochos III et l'Orient, Paris 2017, P. F. Mittag, Antiochos IV Epiphanes, Berlin 2006; K. Ehling, Untersuchungen zur Geschichte der späten Seleukiden (164-63), Stuttgart, 2008; R. Fleischer, Studien zur seleukidischen Kunst, Bd. I Herrscherbildnisse, Mainz, 1992.