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Populus Romanus
Claudius II Gothicus (268-270 n Chr.) – Diokletian (285 – 305 n. Chr.): Konsolidierung des Reichs, Münzreformen:
Unter Claudius II begann der Weg aus der Krise des römischen Reichs mit den Siegen über die Alemannen und die Goten sowie der Wiedereingliederung der spanischen Provinzen. Aurelian (270-274 n. Chr.) eroberte die Sonderreiche Gallien und Palmyra für das Reich zurück. Die Sicherung der Grenzen erlaubte die innere Neuordnung des Reichs. Die Münzlegende „Dominus et Deus“ gibt den Übergang vom augustäischen Prinzipat zum spätantiken Dominat wider. Die Wahl des Kaisers bedurfte nicht mehr der Zustimmung des Senats; er stützte sich auf das Heer und die göttliche Legitimation. Das S-C auf den Münzen entfiel. Gesellschaft und Wirtschaft wurden auf den Kaiser und das Heer ausgerichtet, so daß sich eine staatliche kontrollierte, ständische, zentralistische Zwangswirtschaft entwickelte. Das Reich wurde in über 100 Verwaltungsbezirke aufgeteilt, die zivile und die militärische Verwaltung getrennt und die Tetrarchie mit der Aufteilung der Macht in ein West- und ein Ostreich eingeführt.
Ein Teil dieser Reformpolitik Aurelians zielte darauf, die Misstände im Münzwesen zu beseitigen und ein stabiles Währungssystem wieder einzuführen. Von dem Gallischen Teilreich wurde der schwere Aureus übernommen, der dann unter Aurelian ein Gewicht von 1/50 des römischen Pfundes oder 6,45 g hatte. Es wurde eine technisch und stilistisch qualitätsvolle, standardisierte Billon-Münze (mit Strahlenkrone) im Gewicht von 1/80 des römischen Pfundes oder 4 g eingeführt, der ebenso wie der frühere Antoninian versilbert war. Die neue Organisation des Münzwesens und die intensivierte Kontrolle wurden an Buchstaben oder Zeichen - sowohl im unteren Abschnitt als auch rechts und links im Feld der Münze – deutlich. Sie waren Symbole für die Münzstätte und die jeweilige Officina. Zusätzlich trug der Doppeldenar die vieldiskutierten Nummern XXI oder – in griechisch – KA, die unstrittig ein Wertverhältnis anzeigen sollen: das Wertverhältnis des Doppeldenars zu dem Denar bzw. zu dem (geplanten, aber erst später eingeführten) Argenteus oder das Verhältnis der Metallwerte der Münze (20 Teile Kupfer:1 Teil Silber). Als Halbstück wurde der Billon-Denar (mit Lorbeerkranz) im Gewicht von 2,6 g ausgegeben, z.T. im Abschnitt mit USUALIS bezeichnet. Dieses aurelianische Währungssystem wurde später unter Diokletian mit der Einführung des Argenteus vervollständigt.
Bis dahin waren aber erhebliche Hindernisse zu überwinden, um die Reformen im Reich durchzusetzen. Der literarisch überlieferte Aufstand der Münzbeamten in Rom (bellum monetariorum), den Aurelian durch das Heer niederschlagen ließ, wurde vermutlich durch die Reformen veranlasst. Die Münzstätte Rom wurde für zwei Jahre geschlossen. Rom verlor seine traditionelle Vorrangstellung im Verhältnis zu den anderen - unter Aurelian 8, später 17 Münzstätten - Münzstätten im Reich. Mit dem Netz an Münzstätten, in den wichtigsten Verwaltungseinheiten des Reichs, erlosch die sog. Provinzialprägung, zuletzt die Ausgabe der traditionellen Tetradrachmen in Alexandria.
Mit der Einführung des neuen Geldes stellte sich die Frage nach der Behandlung der umlaufenden Münzen, die in Rom und in den anderen Münzstätten des Reichs, vor allem in den östlichen Provinzen und in dem Gallischen Sonderreich ausgegeben worden waren. Den Funden, insbesondere im Westen des Reichs, ist zu entnehmen, daß Gold- und Silbermünzen gehortet, zum Metallwert gehandelt, in Barren umgewandelt oder als Schmuck verwandt wurden. Da die Münzprägung in Rom zurückgeführt wurde und die Münzstätten in Köln und Trier geschlossen wurden, wurden in Germanien und Gallien über weitere 10 Jahre Billon-Antoniniane mit den Bildern des Victorinus, Tetricus und Claudius massenhaft imitiert. Dieses Notgeld – dazu auch eine große an Zahl an Fälschungen – liefen in Gallien bis in das erste Jahrzehnt des 4. Jahrhunderts um.
Die Stabilisierung des Währungssystems war daher das Ziel von weiteren, unter Diokletian in den Jahren 284, 294 und 301 n. Chr. unternommenen Reformen. Im Jahr 284 n. Chr. wurde für den Aureus ein Gewicht von 1/70, dann ab 286 n. Chr. von 1/60 des römischen Pfundes oder 5,3 g festgesetzt und dieser Wert auf der Münze kenntlich gemacht. Ab 294 n. Chr. wurde eine Silbermünze, der sog. Argenteus, im Gewicht von 1/96 des römischen Pfundes oder 3,1 g bei einem Feingehalt von 80 % ausgegeben. Hinzu kam gleichzeitig eine versilberte Billon-Münze (mit Lorbeerkranz), der „Nummus“ - heute häufig Follis genannt -, im Gewicht von 1/32 des römischen Pfundes oder rd. 10 g. Alle Münzen wurden technisch und typologisch standardisiert, wobei im Osten des Reichs von der griechischen zur lateinischen Sprache übergegangen wurde.
Der Argenteus wurde bis 310 n. Chr., die an seine Stelle tretende Siliqua dann nur noch in geringen Umfang geprägt. Die Goldmünze, der Solidus, wurde zur Leitmünze des spätantiken Währungssystems.
Literatur: S. Estiot, The Later Third Century, und R.Abdy, Tetrarchy and the House of Constantine, in W.E.. Metcalf, Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, 2012, 538-560 und 584 – 600; P. Bruun, The successive monetary reforms of Diocletian, ANSMN 24(1979)129-148; L. Lafaurie, Reformes monétaires d`Aurélien et de Dioclétien, RN 17(1975)73-140; K.T. Erim/J.Reynolds/M. Crawford, Diocletian`s currenca reform: A new inscription, JRS 67,171-177; B. Meissner, Über Zweck und Anlaß von Diokletians Preisedikt, Historia 49(2000)79-100.
Die Währungsordnung Diokletians und das spätantike Münzwesen unter Konstantin I, Valentinian I und ihren Nachfolgern
Die Währungsordnung Diokletians, die auf dem Aureus, dem Argenteus und dem Follis basierte, war im Verlauf des 4. Jh. n. Chr. immer wieder Gegenstand von Reformen. Das römische Reich hatte sich zwar unter der Tetrarchie stabilisiert, der Ansturm neuer Völker an den Außengrenzen, die Thronstreitigkeiten und die Aufstände im Inneren wirkten sich aber letztlich auch auf das Geldwesen aus. Schon in der ersten Regierungszeit von Konstantin dem Großen ( 306-324 n. Chr.) wurden die krisenhaften Entwicklungen darin sichtbar, daß im Jahr 309 n. Chr. das Gewicht des Aureus von 1/60 auf 1/72 des römischen Pfunds (4.5 g) herabgesetzt, der Argenteus ab 310 n. Chr. nicht mehr ausgegeben und das Gewicht des Follis schrittweise von ursprünglich 10 g auf 5.2 g (310 n. Chr.) und 3.0 g (322 n. Chr.) reduziert wurde. Im Zuge der Preiserhöhungen mußte der Sold der Soldaten erhöht werden. An die Stelle regelmäßiger Soldzahlungen traten Donative in Form von Multiplen oder gefüllten Börsen, schließlich auch in Naturalien. Im Geldverkehr trat de Nominalwert zurück, so daß sogar die Gold- und Silbermünzen mehr und mehr zum Metallwert gehandelt wurden. Wegen der schwankenden Metallwerte konnte das feste Wertverhältnis zwischen den einzelnen Nominalen nicht mehr aufrecht erhalten werden. Münzen wurden vermehrt gehortet. Um den Münzbetrug in den Prägestätten zu bekämpfen, wurde unter Valentinian I im Jahr 366 n. Chr. angeordnet, daß öffentliche Abgaben nicht mehr in Münzen, sondern in Gold- und Silberbarren zu zahlen waren. Die monetae publicae, die in den verschiedenen Diozösen des Reichs bestanden, wurden auf die Prägung und Ausgabe von Bronzegeld beschränkt. Die Prägung von Gold- und Silbermünzen wurde direkt dem Kaiser - sei es im Palast, sei es in einer mobilen Prägestätte bei dem Herr - unterstellt. Von dieser Reform der Münzorganisation profitierte insbesondere die Goldmünze, der Solidus, der von da ab mit einer Reinheit von 99% begeben wurde. Im Gegensatz zu früher wurde er in großen Umfang geprägt und damit zum tragenden Element des Münzwesens. Goldmünzen wurden nicht mehr nur aus besonderen Anlässen oder zur Tributzahlung an "barbarische" Völker, sondern für den normalen Geldverkehr ausgegeben, auch vermehrt in den Unternominalen des Solidus, des Semissis (1/2 Solidus) und - nach 383 n. Chr. - des Tremissis (1/3 Solidus). An die Stelle des Argenteus trat ab 324 n. Chr. die sog. Siliqua im Gewicht von 1/96 des römischen Pfunds (3.4 g), das allerdings um 355 n. Chr. auf 1/144 des römischen Pfunds (2.2 g) ermäßigt wurde. Neben die Siliqua traten zunächst der sog. leichte Miliarense im Gewicht von 1/72 des römischen Pfunds (4.5 g) und - ab 337 n. Chr.- auch noch der sog. schwere Miliarense im Gewicht von 1/60 des römischen Pfunds (5.4 g). Die Münzreform unter Valentinian I verbesserte auch die Reinheit der Silbermünzen. Gleichwohl verlor das Silbergeld, insbesondere ab 402 n. Chr. an Bedeutung, möglicherweise wegen des zunehmenden Materialmangels. An die Stelle der Follis trat zunächst eine Billon-Münze im Gewicht von 3 g , später reduziert auf 2.5 g. Vermutlich im Zusammenhang mit dem 1100jährigen Jubiläum Roms wurde im Jahr 347/48 n. Chr. unter Konstantin II das Billon- und Kupfergeld reformiert. Es wurde eine Billon-Münze im Gewicht von 1/72 des römischen Pfunds (4.5 g) ausgegeben, die vermutlich nummus oder cententionalis ( A 3) genannt wurde. Daneben traten ein schweres Geldstück im Gewicht von 1/60 des römischenPfund ( 5.4 g), die sog. Maiorina (A 2), und ein reines Kupferstück im Gewicht von 1/120 g des römischen Pfunds (2.7 g) (A 4). Einige Jahre später wurde unter Magnentius und Julian II noch eine Doppel-Maiorina (A 1) im Gewicht von 9 g, allerdings ohne Silbergehalt, ausgegeben. Dies verhinderte aber nicht, daß das nunmehr viergliedrige Währungssystem nach wenigen Jahren verfiel. Es konnte auch nicht durch die Reform unter Valentinian I im Jahr 379 n. Chr. dauerhaft wiederbelebt werden. Im Gegenteil: in den folgenden Jahrzehnten wurde das schwere Billon- und Kupfergeld widerrufen und die Ausgabe des Kupfergeldes - zunächst im Westen, dann ab 402 n. Chr. auch im Osten des Reichs - auf die kleinste Einheit (A 4) als Standardmünze beschränkt. Literatur: R.Abdy, Tetrarchy and the House of Constantine, und S. Moorhead, The Coinage of the Later Roman Empire, 364-498, in: W.E. Metcalf, The Oxford Handbook of Greek and Roman Coinage, Oxford 2012, 584-632 mit weiteren Nachweisen.
Populus Romanus330 n. Chr. |
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Inventarnummer |
R.86.01 |
Vorderseite |
POP ROMANVS. Büste des Polulus Romanus mit Lorbeerkranz n.l., Füllhorn über der linken Schulter |
Rückseite |
Brücke über Fluss mit zwei Türmen, darunter zwei Boote, zwischen Türmen Cons/A(?) |
Münzstand |
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Datierung |
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Nominal |
Aes 4Numismatische Hilfsbezeichnungen für die römischen Bronzenominale des 4.-5. Jhs. n. Chr. besonders in der englischsprachigen Literatur. Die französische Forschung bevorzugt die Einteilung in Grand (GB), Moyen (MB), Petit bronze (PB) sowie Petit bronze quinaire (PBQ). Die deutsche Literatur verwendet häufig die (allerdings nur) vermuteten antiken Termini. AE 1: Follis/Nummus (meint auch die Großbronze nachkonstantinischer Zeit, z. B. unter Magnentius und Iulianus (sog. „Doppelmaiorina“); AE 2: Maiorina; AE 3: Centenionalis; AE 4 Halb-Centenionalis/Viertel-Maiorina. Es wirkt hier die alte Ordnung des kaiserzeitlichen Bronzegeldes nach (Sestertius - Dupondius - As - Semis).Im Münzkabinett Berlin wird die Bezeichnung Aes 1-4 erst für Gepräge nach der Münzreform von 348 n. Chr. verwendet. |
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Herstellung |
Münzstätte |
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Region |
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Land |
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Literatur |
RIC VIII (Konstantinopel) 448, 21; Cohen VII 332,1; Hunter 1; dazu Cl. Brenot, NAC 9 (1980) 299-312 |
Webportale |
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Sachbegriff |
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Abteilung |
Antike, Römische Spätantike |
Provenienz |
Altbestand |
Objektnummer |
ID2954 |
